23 November, 2006

Gletscher schmelzen immer schneller

Nach einem neuen Report von Greenpeace schmelzen Gletscher immer schneller. Die Auswertung von Forschungsdaten belegt, dass die globale Erwärmung in immer kürzerer Zeit zu immer dramatischeren Folgen führt. Zudem zeigen die Umweltschützer anhand von neuen Fotovergleichen den zunehmenden Schwund der Alpengletscher. Anlass für die Veröffentlichung ist der Beginn der UN-Klimaschutzkonferenz am Montag in Nairobi/Kenia. Dort verhandeln die Staaten über zukünftige Maßnahmen zur Verringerung von Treibhausgasen. Greenpeace fordert vor allem die Industrieländer auf, schnell zu handeln und konsequent das Klima zu schützen, nachdem sie bislang viel zu wenig unternommen haben.


Der Triftgletscher im Berner Oberland. Links eine Aufnahme aus dem Jahr 1948, rechts eine aus dem Jahr 2006.
Aufgenommen am: 10.09.2006
Copyright: © Ges. f. ökologische Forschung



Der Triftgletscher im Berner Oberland, einmal 2002 fotografiert (links) und einmal 2006. Der Vergleich zeigt, wie schnell die Gletscherschmelze voranschreitet.
Aufgenommen am: 10.09.2006
Copyright: © Ges. f. ökologische Forschung


"Die neuen Erkenntnisse sind alarmierend. Uns schmelzen die Gletscher vor den Augen weg, doch die Politiker halten Sonntagsreden, sagt Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. Der Klimawandel kommt, doch wie stark, liegt in unserer Hand. Die nächsten zehn Jahre sind entscheidend. Deshalb müssen alle Staaten ihr Äußerstes versuchen, um den Ausstoß der Klimagase endlich unter Kontrolle zu bekommen."

Die im Report enthaltenen Vergleiche der Gletschermassen zeigen, dass die Abschmelzrate in den letzten Jahren dramatisch zugenommen hat. Zwar gibt es innerhalb der Gletscherregionen Unterschiede, doch durchschnittlich ist von 1991 bis 2004 doppelt soviel Gletschermasse abgeschmolzen wie im Zeitraum 1961 bis 1990. Insbesondere in den Jahren 2001 bis 2004 ist die Abschmelzrate der Gletscher noch einmal kräftig angestiegen. Grönland verliert inzwischen mit 240 Kubikkilometer pro Jahr dreimal soviel Eis wie in den Jahren vor 2003.

Auch die Fotovergleiche der Alpengletscher von der Gesellschaft für ökologische Forschung belegen, dass die Abschmelzgeschwindigkeit weiter zunimmt. So schrumpfte zum Beispiel der Triftgletscher im Berner Oberland (Schweiz) im Jahr 2005 um 216 Meter. Es geht viel schneller als wir uns das jemals vorgestellt haben. Wenn wir im August und September in den Gletscherregionen unterwegs sind, können wir das Schmelzen der Gletscher hören,sagt Sylvia Hamberger von der Gesellschaft für ökologische Forschung.

Für die Alpenregion bedeutet ein Rückgang der Gletscher, dass es in den nächsten Jahren vermehrt zu Murenabgängen und Erdrutschen kommen wird, weil sich die Permafrostgrenze immer weiter nach oben verschiebt. Auch Überschwemmungen werden zunehmen. Wissenschaftler prognostizieren, dass kleinere Alpengletscher bis 2050 von der Bildfläche verschwinden. Gerechnet wird mit einem fast vollständigen Abschmelzen aller Alpengletscher noch in diesem Jahrhundert. Dann drohen Trinkwasserknappheit und Verkarstung. Weltweit fürchten Wissenschaftler vor allem das Abschmelzen der Polkappen. Überschwemmungen infolge steigender Meeresspiegel könnten bis zu 100 Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen machen.

Text: Sigrid Totz (Greenpeace)
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Was ist die Globale Erwärmung

Kohlendioxid und andere Gase erwärmen die Erdoberfläche auf natürliche Weise, indem sie die Sonnenwärme in der Atmosphäre festhalten. Das ist im Grunde gut, weil dadurch unser Planet bewohnbar bleibt. Durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Gas und Öl sowie durch das Abholzen von Wäldern haben wir jedoch die Menge des Kohlendioxids in der Erdatmosphäre drastisch erhöht, und die Temperaturen steigen an.

Die Wissenschaftler sind sich weitestgehend einig, dass die globale Erwärmung eine Tatsache ist. Sie findet bereits statt, und sie ist kein Naturereignis, sondern das Ergebnis unseres Handelns. Die Anzeichen sind überwältigend und lassen sich nicht leugnen.

Wir erleben bereits Veränderungen. Gletscher schmelzen, Pflanzen und Tiere werden aus ihren Territorien vertrieben, und die Anzahl schwerer Stürme und Dürreperioden nimmt zu.


Die Anzahl der Hurrikane der Kategorie 4 und 5 hat sich in den letzten 30 Jahren fast verdoppelt.

Malaria tritt nun auch in höher gelegenen Regionen auf, z. B. in den kolumbianischen Anden, 2.000 m über dem Meeresspiegel.

Das Schmelzwasser von den Gletschern Grönlands hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Mindestens 279 Pflanzen- und Tierarten reagieren bereits auf die globale Erwärmung, indem sie sich in Richtung auf die Pole zurückziehen.


Wenn sich die Erwärmung fortsetzt, müssen wir mit katastrophalen Konsequenzen rechnen.

Die Todesfälle infolge globaler Erwärmung werden sich in nur 25 Jahren verdoppeln - auf 300.000 Menschen pro Jahr.

Die Meeresspiegel könnten weltweit um mehr als 7 m ansteigen, verbunden mit dem Schwinden des Schelfeises in Grönland und in der Antarktis. Küstenregionen auf der ganzen Welt würden dadurch vernichtet.

Hitzewellen werden häufiger und intensiver auftreten.

Dürren und verheerende Großflächenbrände werden häufiger.

Der arktische Ozean könnte bis zum Sommer 2050 eisfrei sein.

Mehr als eine Million Arten könnten bis 2050 ausgestorben sein.

Zweifellos können wir dieses Problem lösen. Wir sind sogar moralisch dazu verpflichtet. Kleine Veränderungen in Ihrer täglichen Routine können sich zu einer großen Veränderung summieren und dazu beitragen, die globale Erwärmung aufzuhalten. Jetzt ist die Zeit gekommen, das Problem gemeinsam zu lösen. – WERDEN SIE JETZT AKTIV!

17 November, 2006